Mozart im Doppelpack

Bensheim. Seltene Gelegenheit für Mozart-Fans: Das Darmstädter TU-Kammerorchester hatte bei seinem Konzert in der Michaelskirche zwei der bekanntesten Werke des Salzburger Genies auf dem Programm. Darüber hinaus ließ das von Arndt Heyer geleitete Ensemble mit Gustav Holst (1874-1934) und Théodore Gouvy (1819-1898) zwei Komponisten zum Zuge kommen, die sonst allzu wenig Beachtung finden. Den solistischen Part des Abends übernahm der in der Essener Meisterklasse von Jacek Klimkiewicz studierende, bereits mehrfach ausgezeichnete Nachwuchsgeiger Peter-Matthias Mayer (*1987). Sein Auftritt geriet ähnlich eindrucksvoll wie jener des jungen Cellisten Jakob Spahn beim letzten Bensheimer Gastspiel der TU-Musiker vor drei Jahren.

Begegnung mit einem Unbekannten

Der Name Théodore Gouvy dürfte den meisten Zuhörern wohl noch nie zuvor im Konzertsaal begegnet sein. Kein Wunder: Das unter anderem neun Sinfonien umfassende Oeuvre des vor allem in Deutschland erfolgreich gewesenen französischen Romantikers war lange vergessen und erlebt erst in jüngster Zeit eine Art Renaissance. Wie verdient diese ist, unterstrich die höchst vergnüglich ausgekostete „Petite Suite Gauloise“ für Bläsernonett – ein viersätziges Kabinettstück voller Eleganz und Esprit, in dem Gouvy gleichsam als „französischer Mendelssohn“ zu entdecken war. Das Bläserensemble des TU-Orchesters zeigte sich intonatorisch wie spielerisch in Bestform. Der Appetit auf größere Gouvy-Projekte sollte bei den Darmstädtern also hoffentlich geweckt sein.

Liebevoll herausgearbeitet

Eine weitere Rarität hielten die Gäste mit Gustav Holsts nicht minder eingängiger „St. Paul’s Suite“ für Streicher parat, deren folkloristischer Charme und Elan perfekt zu Gouvys ähnlich inspirierter Suite zu passen schien. Dass der Schöpfer des Monumentalwerkes „The Planets“ auch ein großer Meister der kleinen Form war, wurde hier wahrhaft liebevoll herausgearbeitet.

In den beiden Mozart-Stücken boten Arndt Heyer und seine prächtig eingestellten TU-Musiker interpretatorischen Feinschliff der hörenswertesten Sorte. Allenfalls einige wenige Hörnerkiekser trübten das insgesamt sehr ausgeglichene und organische Klangbild, das durchaus höheren Ansprüchen genügte. Punktgenau funktionierte das Zusammenspiel mit Peter-Matthias Mayer, der im A-Dur-Konzert KV 219 eine bestechend souveräne Leistung ablieferte. Wunderbar schlank und gepflegt sein Violinton, blitzsauber seine ebenso natürliche wie gesangliche Phrasierung, erfrischend ungekünstelt und entspannt sein ganzes Auftreten: Dieser sympathische junge Geiger wird seinen Weg machen. Wer so gut Mozart spielt, hat jedenfalls beste Voraussetzungen.

Romantik ohne Übertreibung

In der abschließenden g-moll-Sinfonie KV 550 fanden die Darmstädter eine rundum überzeugende Balance zwischen dramatischer Bewegtheit und lyrisch-melodiöser Beseeltheit. Arndt Heyer – einst Geiger im Frankfurter RSO – wählte ausnahmslos stimmige Tempi, sorgte für schöne Transparenz und erreichte so klassische Ausgewogenheit ohne romantische Übertreibungen. Die Spendeneinnahmen dieses bei freiem Eintritt veranstalteten Konzertabends in der dicht besetzten Michaelskirche will das Orchester übrigens UNICEF zur Verfügung stellen.

© Bergsträßer Anzeiger, Mittwoch, 25.03.2015