Variationen der Trauer

Musik: Das Kammerorchester der technischen Universität zeigt sein Können und seine Vielseitigkeit mit dem Konzert „Kontraste“ in der Darmstädter Stiftskirche leer

DARMSTADT. Das Kammerorchester der Technischen Universität Darmstadt (TUD) präsentierte sich in der Stiftskirche als Laienorchester von herausragender Qualität. Das Programm „Kontraste“ beherrschte freilich eine musikalische Stimmung von Traurigkeit und Bedrückung.

Daran änderte auch nichts Poulencs populäres und zum Teil ausgelassenes Konzert für Orgel, Pauke und Streicher, das der Mittelpunkt des Abends war. Joachim Enders, Kantor in Bessungen und Studienleiter am Darmstädter Staatstheater, lieferte als Solist an der Orgel eine hinreißende Interpretation, in der er die Kontraste des Stücks – tiefe Gläubigkeit und fröhliche Kirmesorgelseligkeit – überzeugend miteinander verband. Dazu ergab sich ein bestens aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel zwischen Orchester und Solisten. Das Orchester reagierte ausgezeichnet mit seinen Einwürfen und verpasste einzelnen Sequenzen und Tönen eine schöne Binnendynamik. Sauber hob sich das Zusammenspiel der Celli hervor. Mit einem Bachschen Choralvorspiel als Zugabe wusste Enders dem temperamentvollen Werk Poulencs einen schlichten Gegensatz gegenüberzustellen.

Viel leiser und schmerzhafter als im Orgelkonzert ging es in Griegs einleitenden zwei elegischen Melodien mit den Titeln „Herzwunden“ und „Letzter Frühling“. Ergreifend erklangen die leisen Einsätze der Geigen, bedrohlich die Pizzicati der Bässe.

Kontraste enthielt schließlich auch Schostakowitschs Kammersinfonie op. 110a mit ihren abwechselnd schnellen und langsamen Sätzen. Doch ist der Aufruhr des Werkes, das den Opfern von Faschismus und Krieg gewidmet ist, zu ernst für Begrifflichkeiten von Schwarz und Weiß. Schön im Ton und sicher konnten sich hier die Stimmführer der einzelnen Gruppen ins Zeug legen (Lydia Harzer, Jane Coehen 1. und 2. Violine, Thomas Leiter, Bratsche und Judith Wilms-Tvrdy, Violoncello).

Wie detailfreudig Andreas Hotz, erster koordinierter Kapellmeister am Pfalztheater Kaiserslautern, mit dem Ensemble arbeitet, konnten die durchweg zufriedenen Zuhörer abermals in Edvard Elgars „Sospiri“ erleben, das die Zugabe bildete. Man würde dem Kammerorchester der TUD nicht nur für dieses Konzert mehr Besucher wünschen, zumal sie für ihre Veranstaltungen keinen Eintritt nehmen.

Susanne Döring